Mohnblumen und Frittenfinger

Das Schuhhaus Koppitz in Grafing hat vor kurzem umgebaut. Leider nicht von außen, denn da gibt es so Einiges, was Verbesserungspotenzial in Sachen Konversion bei der Laufkundschaft hat.

Fangen wir an mit einem Klassiker: einer üppigen Text-Bild-Schere. „Lust auf schöne Schuhe“ steht da, und darunter prangt – eine Mohnblume!

Vermutlich ist das die Kampagne des Branchenverbandes, aber eine ganz verantwortungslose: Arglose Inhaber lassen damit Leuchtschilder anfertigen und tarnen so unbewusst ihr Geschäft. Kunden werden nämlich denken, da hinten sei ein Blumenladen.

Wenn sie nicht vorher das Schild für den Schuhmacherservice sehen. Steht man nah genug davor, erkennt man ja noch auf dem vergilbten Foto eine Hand, die einen Schuh hält:

Es darf auch bezweifelt werden, dass der Schuhmachermeister mit Vornamen „Schuh“ heißt. Jetzt könnte man froh sein, dass es keine Mohnblume ist und hier wenigstens Text und Bild zusammenpassen. Nun befindet sich der Schuhladen aber in einer Seitenstraße, und wer vom Grafinger Marktplatz aus hineinlugt, der hält die vergilbten Schuhmachermeisterfinger für eine Portion Pommes:

Vielleicht sollen die beiden Leuchtkästen auch nur vom Buchstabensalat über den Schaufenstern ablenken: Hier wurden nicht nur zwei Schriftarten verwendet, sondern auch noch ein Mischmasch aus Versalien und »normaler« Groß- und Kleinschreibung:

Fangen wir mal mit dem Namen des Ladengeschäfts an. Den Arial-Bauhaus-Mix aus der Corel-Draw-Installation des örtlichen Schildermachers ersetzen wir am besten mit einer Schriftart, die etwas mehr persönliches Flair hat als die Raststättenbuchstaben aus den 70ern:

Und da es sich um ein Schuhgeschäft handelt, ersetzen wir den floralen Fehlgriff am besten durch einen Schuh:

An den Laden montiert, sieht das Ganze dann so aus:

Jetzt nehmen wir uns die Frittenfinger des Schuhmachers vor. Da ist so ziemlich alles besser als ein Foto. Da der Hinweis ja nicht in optische Konkurrenz zum Namen treten soll, gestalten wir ihn am besten dezent, dafür aber um so unmissverständlicher:

Zusammen mit dem anderen Schild wird die Sache schon rund:

Da der Laden ja etwas abseits vom Marktplatz liegt, wäre ein kräftiger Hinweis noch angebracht, der das Geschäft auch noch aus einiger Entfernung als solches erkennen lässt. Da bietet sich doch der Giebel zur großzügigen Wiederholung unserer neuen Markenmerkmale an:

Familiäre Atmosphäre, persönliche Beratung und Vor-Ort-Reparatur – das strahlt doch so viel besser auf die Laufkundschaft ab. Und die Stammkunden haben sicher auch nichts dagegen.

Benutztes Material: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Platform_boots.png

Update:

Schön zu sehen, dass die Geschäftsinhaber zumindest meine Einschätzung teilen, was das Verwenden der Fassade als Werbeträger betrifft, auch wenn es nicht ganz so auffällig ist wie vorgeschlagen:

Immerhin findet sich im Namen jetzt nur noch eine Schriftart, was leider aber auch bedeutet, dass es jetzt wieder anders aussieht als an der Fassadenfront.

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